Vampir - Bericht über die Geschehnisse in Kisolova - Frombald - 1725

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Copia eines Schreibens aus dem Gradisker District ·

Frombald (Autor) · Wien 1725 ()

Herausgeber: Kayserliche Hof-Buchdruckerey · Verlag: aus dem Wienerisches Diarium vom 21. Juli 1725, S. 11-12 · (Ed)
ISBN/ISBN13:/ · ISSN:
Sprache: Deutsch · Version: v1.00 (Volltext)
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Frombald: Copia eines Schreibens aus dem Gradisker District . In: eLib.at (Hrg.), 08. Februar 2012. URL: http://elib.at/

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Wienerisches Diarium - 21. Juli 1725 - Seite 11-12

Copia eines Schreibens aus dem Gradisker District in Ungarn.

NAchdeme bereits vor 10. Wochen ein in dem Dorf Kisolova, Rahmer-District, gesessener Unterthan / Nahmens Peter Plogojoviz, mit Tod abgegangen / und Rätzischer Manier zur Erden bestattet worden / hat sich in ermeldtem Dorf Kisolova geäusseret / daß innerhalb 8. Tagen 9. Personen / sowol alt als junge nach überstandener 24. stündiger Kranckheit also dahin gestorben / daß als sie annoch auf dem Todt-Beth lebendig lagen / offentlich ausgesaget / daß obbemeldet vor 10. Wochen verschiedener Peter Plogojoviz zu ihnen im Schlaf gekommen / sich auf sie gelegt / und gewürget / daß sie nunmehro den Geist aufgeben müsten.

Gleich wie dann hierob die übrige Unterthanen sehr bestürtzet / in solche auch mehr gesteiffet wurden / da des verstorbenen Peter Plogojoviz Weib / nachdeme sie zuvor ausgesagt / daß ihr Mann zu ihr gekommen / und seine Oppanki oder s. v. Schuh begehret / von dem Dorf Kisolova durch / und sich in ein anderes begeben / sintemalen aber bey dergleichen Personen (so sie Vampyri nennen) verschiedene Zeichen / als dessen Cörper unverwesen / Haut / Haar / Bart und Nägel an ihme wachsen zu sehen seyn müsten / als haben sich die Unterthanen einhellig resolviret / das Grab des Peter Plogojoviz zu eröffnen / und zu sehen / ob sich würcklich obbemeldte Zeichen an ihme befinden / zu welchem Ende sie dann sich zu mir hiehero verfüget / und nebst Andeutung vorerwehntem Casus mich samt dem hiesigen Poppen oder Geistlichen ersuchet / der Beschau beyzuwohnen / und ob ihnen schon erstlich solches Factum reprobiret / mit Meldung / daß ein solches vorhero an eine Löbl. Administration unterthänig gehorsamst berichten / und deroselben hohe Verfassung hierüber vernehmen müste / haben sie sich doch keineswegs hierzu bequemen wollen / sondern vielmehr diese kürtzliche Antwort von sich gegeben: Ich möchte thun was ich wollte / allein wofern ich ihnen nicht gestatten werde / auf vorherige Beschau und Rechtliche Erkanntnuß mit dem Cörper nach ihrem Gebrauch zu verfahren / müsten sie Haus und Gut verlassen; weilen bis zu Erhaltung einer gnädigsten Resolution von Belgrad wohl das gantze Dorf (wie schon unter Türckischen Zeiten geschehen seyn solte) durch solchen üblen Geist zu Grund gehen könnte / welches sie nicht erwarten wolten. Da dann solche Leute weder mit Guten noch mit Betrohungen von ihrer gefasten Resolution abhalten könte, habe ich mich mit Zuziehung des Gradisker Poppen in benanntes Dorf Kisolova begeben / den bereits ausgegrabenen Cörper des Peter Plogojoviz besichtiget / und gründlicher Wahrheit gemäß folgendes befunden: daß

Erstlich von solchem Cörper / und dessen Grabe nicht der mindeste sonst der Todten gemeiner Geruch verspüret / der Cörper ausser der Nasen / welche etwas abgefallen / gantz frisch / Haar und Bart / ja auch die Nägel / wovon die alte hinweg gefallen / an ihme gewachsen / die alte Haut / welche etwas weißlicht ware / hat sich hinweg geschellet / und eine frische neue darunter hervor gethan / das Gesicht / Hände und s. v. Füsse / und der gantze Leib waren beschaffen / daß sie in seinen Leb-Zeiten nicht hätten vollkommener seyn können; in seinem Mund hab nicht ohne Erstaunung einiges frisches Blut erblicket / welches der gemeinen Aussag nach er von denen / durch ihme Umgebrachte / gesogen; in Summa waren alle Inditia vorhanden / welche derley Leute (wie schon oben bemercket) an sich haben solten. Nachdeme nun sowol der Popp als ich dieses Spectacul gesehen / der Pövel aber mehr und mehr ergrimter als bestürtzter wurde / haben sie gesamte Unterthanen in schneller Eil einen Pfeil gespitzet / solchen dem Todten-Cörper zu durchstechen an das Hertz gesetzet / da dann bey solcher Durchstechung nicht nur allein häuffiges Blut / so gantz frisch / auch durch Ohren und Mund geflossen / sondern andere wilde Zeichen (welche wegen hohen Respect umgehe) vorbey gangen / sie haben endlich oftermeldten Cörper / in hoc casu, gewöhnlichem Gebrauch nach / zu Aschen verbrennet / welches dann einer Hochlöbl. Administration hinterbringen / und anbey unterthänigst gehorsamst Bitten wollen / daß wann hierinfals einen Fehler begangen haben sollte / solchen nicht mir / sondern dem vor Forcht außer sich selbst gesetzen Pöfel beyzumessen.

Kayserl. Provisor
in Gradisker District.


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