Literatur:Das Juengste Gericht - Frau Ava - um 1100
Aus ELib.at
| · Religiöse Dichtung · Lyrik · Religion · Geschichte · Germanistik · Literatur · Dichtung | |||||||||||||
|
Volltext
Frau Ava (um 1060-7.2.1127)
Das Jüngste Gericht
- Nu sol ich rede rechen vil vorhtlîchen
- von dem jungisten tage, alse ich vernomen habe,
- unde von der êwigen corone, die got gibet ze lône
- swelhe wole gestrîten an dem jungisten zîte.
- Finfzehen zeichen gescehent, sô die wîsten jehent.
- wir nevernâmen nie niht mêre von sô bitterme sêre.
- sô bibenet allez daz der ist, sô nâhet uns der heilige Crist
- An dem êrsten tage sô hebet sich diu chlage,
- sô wirt daz zeichen dâ ze stunt, diu wazer smiegent sich an den grunt
- vierzech clafter iz în gêt, einen tach iz alsô gestêt.
- An dem anderen tage, daz sule wir iu sagen,
- sô gêt iz aver wider ûz, vil hôhe leinet iz sich wider ûf.
- sô biginnet iz bellen mit michelen wellen,
- daz iz alle die hôrent, die den sin dare chêrent.
- uber elliu diu rîche, sô stêt iz vorhtlîchen.
- An dem driten tage, alse ich vernomen habe,
- sô wider fliuzet ob der erde daz wazer al ze berge.
- wider gêt im der strâm, daz sihet wîp unde man.
- sô trûret allez daz der ist, wande daz urteile nâhen ist.
- An dem vierden tage sô hevet sich diu chlage,
- sô hevet sich von grunde viske unde allez merwunder.
- ob dem mere si vehtent, vil lûte si brahtent.
- sô wirt des luzel rât swaz flozen unde grât hât.
- An dem vinften tage sô wirt ein mêre chlage.
- sô hevet sich daz gevugele, daz ê flouch under himele
- ûfen daz gevilde, iz sî zam oder wilde.
- si wuofent unde weinent mit michelem gescreie.
- si bîzzent unde chrouwent, ein ander si houwent.
- des tages harte zergât, swaz vettech unde chlâ hât.
- Sô chumet vil rehte mit sêre tach der sehste.
- der himel sich verwandelôt, er wirt tunchel unde rôt.
- an dem mânen unde an dem sunnen siht man michel wunder.
- der tach wirt alse vorhtlich, in die erde bergent si sich.
- An dem sibenten tage sô wirt der luft al enwage.
- sô vihtet an daz trum, die winde an daz firmamentum,
- diu wazer dar widere diezent under dem himele.
- (an dem mânen unde an dem sunnen sihet man michel wunder.)
- sô hôret man dicke doner unde blicke.
- sô chrimmet sich ze wâre der arme suntâre,
- deme sîn gewizzede daz saget, daz er gotes hulde niene habet.
- An dem ahtoden tage sô wirt diu erde elliu enwage.
- an der stunde si erweget sich von grunde.
- sô nemach niwiht des gestan, des ûf der erde sol gân.
- sô trûret wîp unde man, si nemach getrôsten nieman.
- An dem niunten tage, alse ieh vernomen habe,
- brestent die steine, daz gescihet vor dem urteile.
- si chlibent sich envieren, sô zergêt iz allez sciere,
- daz vurhtet wîp unde man unde swer sich iht verstên chan.
- An dem zehenten tage, vil luzel sul wir daz chlagen,
- sô zevallent die burge, die durch ruom geworht wurden.
- berge unde veste, daz muoz allez zebresten.
- sô ist got ze wâre ein rehter ebenâre.
- An dem einleften tage, des sul wir unsich wol gehaben,
- sô zergêt vil sciere, da diu werlt mit ist gezieret:
- golt unde silber unde ander manech wunder,
- nusken unde bouge, daz gesmîde der frouwen,
- goltvaz unde silbervaz, chelche unde chirchscaz.
- sô muoz daz allez zergân, daz von listen ist getân.
- nu wizet, daz iz wâr ist, iz zergêt unde wirt ein valewisk.
- An dem zwelften tage, sô hilfet uns daz vihe chlagen.
- sô diu tier gênt ûz dem walde wider daz vihe ûf dem velde,
- vil lûte si rêrent, sô si zesamene chêrent
- mit lûteme gescreie ingegen dem urteile.
- An dem drîzehenten tage sô nemach sich niemen wol gehaben.
- sô tuont sich diu greber ûf, diu gebaine machent sich dâr ûz
- alle gemeine ingegen dem urteile.
- iz ist allen den forhtlîch, die gewizzen sint der sunden ane sich.
- An dem vierzehenten tage sô wirt diu biterste chlage.
- sô gênt diu liute alle ûz, ir nebestêt neheinez in deme hûs.
- si wuofent unde weinent mit lûteme gescreie.
- in dem selben dinge sô zergênt in die sinne.
- sô nemach nieman gesagen dienôt, diu ist in den tagen,
- uber swen got des verhenget, daz sich sîn leben dar gelenget.
- Sô chumet der vinfzehente tach, sô nâhet uns der gotes slach.
- sô sculn alle die ersterben, die der ie geborn wurden,
- alle gemeine vor dem urteile.
- sô hevent sich vier winde in allen den enden.
- ein fiur sich enbrennet, daz dise werlt verendet.
- daz liuteret iz allez. sô brinnet stein unde holze,
- wazzer unde buhele, die der sint under dem himele.
- sô chumt der jungiste tach alsô sciere sô ein brâslach.
- Sô choment von Christe die vier êvangeliste.
- daz gebeine si chukent, die tôten si wekent.
- sô samenent sich mit êren lîp unde sêle.
- daz ist vil wunnechlîch, die guoten sint dem sunnen gelîch.
- die engel vuorent scône daz criuce unde die corône
- vor Christe an daz tagedinch, daz werdent sorchlîchiu dinch.
- Sô chumet Christ der rîche vil gewaltichlîchen,
- der ê tougen in die werlt quam: dâ sihet in wîp unde man.
- im ist sîn scare vil breit, wâ er die versmâcheit leit
- von sînen vîanden, dâ wil er iz anden.
- Sô chumet got in den luften in sîner magencrefte.
- sô rihtet er rehte dem hêrren unde dem chnehte,
- der frouwen unde der diuwe; sô ist ze spâte diu riuwe,
- die wir haben solden, ob wir genesen wolden.
- sô werdent die vil harte gêret, die hie von der werlt chêrent.
- die sizent dâ ineben gote in der scare der zwelfpoten.
- wande si durch gotes minne verchurn werltlîche wunne.
- die sint alle geheiligôt, die wirseren sint erteilôt.
- Sô wirdet der vil guot rât, die die werlt gezogenlîchen hânt,
- die gotes nie vergâzen, dô si ze wirtscefte sâzen.
- doch wil ich iu sagen da bî, wie der leben sol getân sîn.
- Si sulen got minnen von allen ir sinnen,
- von allem ir herzen, in allen ir werchen.
- si sulen wârheit phlegen, ir almuosen wol geben,
- mit mâzen ir gewant tragen, mit chûske ir ê haben,
- bescirmen die weisen, die gevangen lôsen.
- si sulen den vîanden vergeben, gerihtes âne miete phlegen,
- den armen tuon gnâde, die ellenden vâhen.
- si sulen ze chirchen gerne gên. bîhte unde buoze bestên.
- Swer niht vasten nemege, der sol sîn almuosen geben.
- nemege er des niht gewinnen, sînen besemen sol er bringen,
- dâ mite er sich reine, der ist aller sâligiste, der sîne sunde :weinet.
- Swer daz mit triwen begât, des wirt dâ vil guot rât.
- ze dem sprichet der gotesun: «var ze miner zeswen!
- venite benedicti! mines vater rîche ist iu gerihtet.»
- Daz gescihet an dem jungisten zorne da sceidet sich diu helewe von dem chorne,
- diu guoten ze der zesewen, daz sint die genesenen,
- di ubelen ze der winstern, si werdent al gewindet
- an dem vrône tenne, dar denche, swer sô welle!
- Sô sprichet got mit grimme ze sînen widerwinnen.
- er zeiget in sîne wunden an den vuozen unde an den henden.
- vil harte si bluotent, si nemegen dâ niht widere gebieten.
- von sîneme rehte sprichet er in zuo: «mînes willen newolt ir niht tuon.
- ir hêtet mîn vergezzen, ir negâbet mir trinchen noch ezzen,
- selede noch gewâte, ubel waren iuwere getâte.
- dem tievele dienotet ir mit flîze, mit im habet diu êwigen wîze.»
- Dâ ist der tievel von helle mit manegeme sînem gesellen,
- sô vâhet er die armen, vil luzel si im erbarment.
- mit chetenen unde mit seilen, er bintet si algemeine.
- er fuoret si mit grimme zuo anderen sînen gesinden
- in den êwigen tôt, âne twâle lîdent si iemer nôt.
- mit peche unde mit swebele dâ dwinget si furder des tieveles ubele.
- Dâ nehilfet golt noch scaz. ê bedahten wir iz baz!
- dâ ist viur unde swebel. wir sturben gerne unde muozen leben.
- durst unde hunger, aller slahte wunder,
- frost unde siechtuom gêt uns alle tage zuo.
- fiurîn gebende dwinget uns die hende,
- machet uns die vuoze harte unsuoze.
- mit viurvarwen seilen bindet man si beide.
- man scenchet uns den wîn, des wir gerne ubere mohten sîn,
- ezzich unde gallen sam si viures wallen.
- ezzen haizen si uns gebent, daz ist pech unde swebel.
- vil grôz wirt unser smerze, die wurme ezzent uns daz herze.
- daz ist uns gewizzenheit, diu tuot uns alsô michel leit.
- (Si stechent uns zedem nabele. mit eisnînen gabelen.
- ir angesiht tuot uns vil wê guot wær uns mohte wir zergên.
- durch smæh geluste stechent sí uns an di bruste.
- eínen worm haizzet aspis, des sult ir sin vil gewis.
- der ander basiliscus, der gilt unrehtez huos.
- diu wír ofte taten, do wir sín stat heten.
- aítter daz grune, des git er uns genuge.
- er spiet ez índen munt. er tuot uns alt sunde chunt.
- die wir níht chlagten den bîhtern di wir haten.
- daz gesun der ubeln geiste daz ist witze aller meist.
- vil michel weínen mít allen nôten ettwene sehent si di toten.
- in abrahames parme daz habent si ze harme.)
- Sô der tievel danne gevert, vile wol unser dinch vert.
- sô scînet uns scône diu edele persône.
- sich zaiget got mit minnen allen sînen chinden.
- sô sint die arbeite fure, sô singe wir zwire
- alleluja, daz frôsanch, wir sagen got gnâde unde danch,
- wir loben gotes êre mit lîbe unde mit sêle.
- Sô vâhet ane, daz ist wâr, Jubileus, daz guote wunnejar.
- sô beginne wir minnen di inren sinne,
- vernunst unde ratio, diu edele meditatio.
- dâ mit erchenne wir Crist, daz er iz allez ist.
- sô habe wir vil michel wunne, sô sî wir siben stunde scôner denne der sunne.
- zuo der selben scône sô gibet uns got ze lône
- eine vil stâtige jugent unde manige hêrlîche tugent.
- wir suln starche werden. wolten wir di berge
- zebrechen alse daz glas, ze wâre sag ich iu daz,
- die craft habent dâ diu gotes chint, die hie mit flîzeo guot sint.
- Dâ habe wir daz êwige lieht, neheines siechtuomes nieht.
- dâ ist diu veste winescaft, diu milteste trûtscaft,
- diu chunechlîche êre, die haben wir iemer mêre.
- daz unsagelîche lôn in dem himeliscen trôn
- habent die gotes erben, die dâ nâch wolten werven.
- enphliehe wir hie die sunde, wir sîn dâ sneller denne die winde.
- Nu vernemet alle dâ bî: dâ sît ir edele ulule frî,
- dâ nedwinget iuch sunde noch leit, dâ ist diu ganze frîheit.
- dâ ergezet uns got sciere aller der sêre,
- die wir manege stunde liten in ellende.
- Dâ ist daz êwige leben, daz ist uns alzoges gegeben,
- Crist, unser hêrtuom, unser vernunst unde unser wîstuom.
- der ist gechêret an in, vil edele ist unser sin.
- unser herze unde unseriu ougen sehent die gotes tougen.
- vil zierlîch wirt daz selbe lieht, iz newirt zerganclîch nieht.
- Daz habent allez diu gotes chint, diu hie diemuote sint,
- diu ir scephâre lobent unde hie ir vîanden vergebent.
- diu versmâhent hie nidene, swie sô sî dâ ze himele
- mit gote geren ze habene, dâ ist vil guot ze lebene.
- dâ wirt ir geloube ain wârheit, ir gedinge mit habenne ein sicherheit,
- ir minne vil innechlîche, si sint den engeln gelîche.
- daz habent si âne ende. nu weset vil wol gesunde
- in der selben râwe, dar muozet ir chomen. Amen.
- Dizze buoch dihtôte zweier chinde muoter.
- diu sageten ir disen sin. michel mandunge was under in.
- der muoter wâren diu chint liep, der eine von der werlt sciet.
- nu bitte ich iuch gemeine, michel unde chleine,
- swer dize buoch lese, daz er sîner sêle gnâden wunskende wese.
- unde dem einen, der noch lebet unde der in den arbeiten strebet,
- dem wunsket gnâden und der muoter, daz ist AVA.
| | |
|
[ Autoren ] · [ Werke ] · [ Literatur ] · [ Land ] · [ Themenkreis ] · [ Uni-Fachgebiet ] · [ Rezension ] · [ Tools ] · [ Schlagwort ] · [ Community ] |

